31.7.2025 (ca)
Unlängst (19.7.2025) gab es als letzte Sommersemester-Veranstaltung der Schwäbischen Geographischen Gesellschaft (SGG), assoziiert mit der Universität Augsburg, eine Führung durch das Schwäbische Donaumoos bei Leipheim (vgl. dazu nochmals die SGG-Veranstaltungsübersicht in unserer untenstehenden Aktuellen Meldung vom 12.5.2025). Das Schwäbische Donaumoos ist einer der größten Niedermoorkomplexe der Donauebene, d.h. gespeist von Grund- und Oberflächenwasser. Getrübt wird dieses Idyll seit Anfang des 20. Jahrhunderts durch gravierende Eingriffe in den Wasserhaushalt zum Zwecke der Trockenlegung und die damit einhergehende intensive Landnutzung vor allem durch Äcker und Grünland, aber auch zum Torfabbau. Im Leipheimer Moos, dem westlichen, in Bayern liegenden Teil des Schwäbischen Donaumooses, konnten indes weitgehend intakte Niedermoorreste die Zeit überdauern. Das Gesamtgebiet ist etwa 2700 ha groß. Darin liegt das „Naturschutzgebiet (NSG) Leipheimer Moos“ mit einer Fläche von 183 ha. Die Landschaftspflege des Mooses erfolgt seit 1990 durch die „Arbeitsgemeinschaft Schwäbisches Donaumoos“.
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Geleitet wurde unsere Exkursion von Dr. Ulrich Mäck, dem Mitbegründer und langjährigen Geschäftsführer (nun i.R.) der Arbeitsgemeinschaft Schwäbisches Donaumoos. Aufgrund seiner engen Verbindung zu Prof. Dr. Thomas Schneider, dem SGG-Vorsitzenden, war es gewissermaßen auch eine „Exklusivveranstaltung“. Denn so erfuhr die interessierte Teilnehmerschaft ausgiebig über die vielfältigen administrativen und politischen Hintergründe des langandauernden Untersuchungs-, Beantragungs- und Genehmigungsprozesses der Renaturierung und speziell der Wiedervernässung des Leipheimer Mooses sowie die gegenwärtigen praktischen Herausforderungen bei der Zusammenarbeit mit Grundstückseigentümern und Landnutzern. Doch das Ergebnis kann sich sehen lassen! Unser Rundweg durchs Projektgebiet streifte den vorgegebenen Erlebnisweg lediglich. Vielmehr interessierte uns nördlicherseits der nunmehr stillgelegte „Grenzgraben“, der einst zur Moorentwässerung angelegt wurde, und die „Nauleitung“, eine knapp 4 km lange Rohrleitung ausgehend vom Donau-Nebenfluss Nau, mit welcher in den ehemaligen Torfsticharealen seit 2011 eine Vernässung an drei Ausläufen erfolgt. Mit diesen Maßnahmen wandelt sich das Moos sukzessive zurück zu einem intakten Niedermoor. Neben den damit verbundenen Ökosystemleistungen, wie der Regulierung des Wasserhaushalts und Verbesserung der Wasserqualität, ist ein besonderer Effekt die Kohlenstoffspeicherung: Bei entwässertem Torf wird der gebundene Kohlenstoff durch oxidative Prozesse vor allem als Kohlendioxid emittiert, und aus dem Kohlenstoffspeicher wird eine Treibhausgasquelle. Gerade die Wiedervernässung von Mooren vermindert deren Ausstoß an Treibhausgasen also erheblich. Ein naturnahes Moor ist mithin eine Kohlenstoffsenke und kann unter günstigen Bedingungen sogar klimaneutral wirken. Zudem sind Moore die größten und effektivsten Kohlenstoffspeicher auf der Erde, sie speichern doppelt so viel Kohlenstoff in ihren Torfen wie in den Wäldern weltweit enthalten ist. Ebenso positive Effekte: Intakte Moore bieten Lebensraum für viele, auch seltener gewordene Pflanzen- und Tierarten und stärken damit die Biodiversität. Und speziell für uns Menschen ergibt sich ein wunderbarer Natur- und Erholungsraum. Weitere Projektierungen im Schwäbischen Donaumoos stehen in Aussicht. Denn etliche Randflächen des NSG Leipheimer Moos wurden von der Stadt Leipheim erworben, die bedarfsweise als naturschutzrechtliche Ausgleichsflächen genutzt werden können, man spricht von einem sogenannten „Ökokonto“.
Bild: Dr. Ulrich Mäck (ARGE Schwäbisches Donaumoos) erklärt die immensen Potenziale der Moorrenaturierung in Bayern
Eine detaillierte Bilderschau und weitergehende Ausführungen finden sich bei unserem Allianzen-Mitglied Freundeskreis NUK-Team Augsburg in den Sozialen Medien unter: www.facebook.com/nukaux