30.3.2026 (ca)
Widersinniger Naturschutz in Augsburg: Auf der einen Seite möchte man wichtige Baumbestände zerstören, so das alteingesessene Klinikpark-Biotop mit seinem wertvollen Baumbestand im Rahmen des anstehenden Uniklinik-Neubaus, und das obwohl Alternativen vorhanden wären (s. dazu nochmals untenstehend unsere letzte Berichterstattung „Nachlese Informationsveranstaltung zur Bauleitplanung Uniklinik vom 23.3.2026“ vom 27.3.2026). Andererseits soll nun im Stadtwald Augsburg der stark beschädigte Kiefern-Schneeheide-Wald mittels eines experimentellen Wiederaufforstungsprojekts erhalten werden. Letzteres ist natürlich sehr zu begrüßen und zu loben! Darüber berichtet die Augsburger Allgemeine Zeitung jüngst im Beitrag „23.000 neue Kiefern für den Stadtwald“ (28.3.2026, Ausgabe-Nr. 73, S. 36) wie folgt:
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„Auf der Kuhheide setzt das Siechtum ein. Blickt man hier, im Augsburger Stadtwald, gen Himmel, so sieht man neben vereinzelt grünen Nadeln vor allem eines: kahles Geäst. Eigentlich, sagt Forstamtsleiter Jürgen Kircher, standen auf der Kuhheide noch die meisten vitalen Kiefern im Stadtwald. Doch auch hier hat ihre Anzahl seit dem schweren Hagelschlag Ende August 2023 deutlich abgenommen. […] Wie berichtet, wiesen die Bestände nach dem schweren Unwetter massive Schäden auf. Die Hagelkörner schlugen Löcher in die Rinde am Stamm und in den Zweigen. Dort, vermuteten Experten, drangen Diplodia-Pilze ein, die das sogenannte Diplodia-Triebsterben auslösen können. Bereits damals ahnte die Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF), dass der Hagelschlag nicht der einzige Auslöser gewesen sein kann. Vielmehr vermutete sie eine Kombination an Ursachen. Eine umfassende Analyse brachte Klarheit: Auf zwei Drittel der Zweigproben war der Diplodia-Erreger nachweisbar. Doch dies war nicht alles. Die Kiefern stehen seit Jahren durch kontinuierlich gestiegene Temperaturen, Hitze- und Trockenperioden unter Dauerstress. „Die Kiefer ist sicher nicht der Baum der Zukunft“, sagt Kircher. Dennoch hat sich die Forstverwaltung für ein Pionierprojekt entschieden. Mit einer Ausnahmegenehmigung der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) erntete ein Team um Revierleiter Christian Ripperger mehr als hundert Kilogramm Kiefernzapfen in der Region um Füssen. Aus den Samen wurden 23.000 Pflänzchen gezogen, die derzeit in einer Forstbaumschule auf der Schwäbischen Alb wachsen. Ab Herbst – dann sind sie rund 20 Zentimeter groß – werden die Babykiefern laut Kircher in den sogenannten Kernlebensräumen im Haunstetter Wald gepflanzt. Zusätzlich würden Kiefernsamen gesät. In der Kuhheide, wo es noch wenige vitale Kiefern gibt, setzen die Förster auf Naturverjüngung. Die Kiefern sollen selbst Samen abwerfen. „Wir sind positiver gestimmt als noch vor einem Jahr“, sagt Kircher. „Der Nebel lichtet sich, auch wenn wir nicht sicher wissen, ob unsere Strategie aufgeht.“ Förster aus anderen Regionen Deutschlands seien irritiert, wenn sie von der massenhaften Nachpflanzung von Kiefern trotz der veränderten Bedingungen durch den Klimawandel hörten, so Kircher. „Wir machen den Hokuspokus deshalb, weil die seltenen Kiefern-Schneeheide-Wälder so wertvoll sind.“ Naturforscher wie Eberhard Pfeuffer verweisen regelmäßig auf die ausgeprägte Artenvielfalt und den bedrohlichen Rückgang seltener Tiere und Pflanzen. „Wir sehen es als Verantwortung, nicht aufzugeben“, sagt Kircher. Die Pflanzung der 23.000 Kiefern soll im Frühjahr kommenden Jahres abgeschlossen sein. Die Kosten für den gesamten Prozess lägen bei rund einem Euro pro Pflänzchen, also knapp 25.000 Euro, so Kircher. Die Kosten trägt die Stadt. […]“
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https://www.augsburger-allgemeine.de/augsburg/der-nebel-lichtet-sich-warum-im-augsburger-stadtwald-23-000-kiefern-gepflanzt-werden-113827471
Unsere Naturschutzallianz Augsburg wünscht dem Projekt nun viel Erfolg! Zudem hoffen wir, dass die neue Stadtregierung unter der Leitung von Oberbürgermeister Dr. Florian Freund sich ebenso positiv in Hinblick auf den Erhalt des Klinikparks einsetzen wird.
Fotos: Intakte Königsbrunner Heide im Jahr 2020 versus siechende Königsbrunner Heide (und speziell der Bereich Kuhweide) Ende 2023 © Dr. Eberhard Pfeuffer