20.5.2026 (ca)
Unter der martialischen, aber begründeten Überschrift „Naturschützer sprechen von ‚Ausrottungsprogramm‘“ berichtete die Augsburger Allgemeine Zeitung gestern (19.5.2026, Ausgabe-Nr. 113, S. 28) über die Mähpraxis auf städtischen Grünflächen. Dabei kommen insbesondere auch unsere Allianzen-Mitglieder Johannes Enzler vom BUND Naturschutz Bayern e.V. und der weitbekannte Naturschutzexperte Dr. Eberhard Pfeuffer zu Wort:
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„Mit scharfen Worten haben Naturschützer die Stadt Augsburg für ihre Mähpraxis auf städtischen Grünflächen kritisiert. Das momentane Mahdregime komme einem „Ausrottungsprogramm für die auf Blüten angewiesenen Insekten gleich“, sagt Johannes Enzler, ehemaliger Vorsitzender des Bund Naturschutz in Augsburg. Der überregional anerkannte Botaniker Andreas Fleischmann spricht von Augsburg gar als „Negativbeispiel“. Indes hätte die Stadt ein „großes Potenzial“. Hintergrund sind die frühen Mahden auf bestimmten Grünflächen in Augsburg. Die Naturschützer sehen einen massiven Artenverlust. Die Stadt sieht es anders. Seit gut zehn Jahren fordere man ein städtisches Pflegekonzept, das Rücksicht auf die Hauptblühzeiten der Pflanzen und somit auch auf die entsprechende Nahrungsgrundlage für Insekten und andere Tierarten nehme, sagt Enzler. Doch alle Versuche, bei der Stadt durchzudringen, seien erfolglos geblieben. Ende April lief das sprichwörtliche Fass dann über. Am 23. April habe die Stadt nicht nur große Teile des Straßenbegleitgrüns in Haunstetten, sondern auch die kleinen Parks sowie das große Verbundsystem „Grünachse Nord-Süd-Haunstetten“ mähen lassen, sagt Enzler. Für Naturschützer viel zu früh: Die Stadt mähe unmittelbar vor der Blütezeit, sagt etwa Naturforscher Eberhard Pfeuffer. Das habe gravierende Auswirkungen für Wildbienen, Hummeln und Schmetterlinge, beklagt Pfeuffer. Die Wildbiene habe einen maximalen Bewegungsradius von 150 Metern. „Die haben keine Chance, zu überleben.“ Augsburgs Ruf diesbezüglich ist auch überregional schlecht. Der anerkannte Botaniker Andreas Fleischmann, tätig an der Botanischen Staatssammlung in München, sagt, Augsburg zeichne sich durch ein „extrem negatives Grünflächenmanagement“ aus. In Vorträgen nenne er das Vorgehen als Negativbeispiel. In Landsberg am Lech, aber auch in München würde deutlich mehr Rücksicht auf die Blühphasen genommen, indem die erste Mahd im Straßenbegleitgrün größtenteils erst Anfang Juni erfolge. Es sei umso bedauerlicher, weil Augsburg noch in den 1990er und 2000er Jahren als vorbildlich galt und sogar dafür ausgezeichnet wurde. Eine Ursache für die negative Entwicklung sieht Fleischmann darin, dass die Stadt Augsburg die Mahd im Straßenbegleitgrün und in Ausgleichsflächen an externe Dienstleister vergibt. Um Grünanlagen, Spielplätze und Biotope kümmert sich das Grünamt selbst. Das städtische Grünamt widerspricht. Auf Anfrage erklärt es, dass der aktuelle Blühaspekt, der von der Mahd Ende April betroffen war, insbesondere Löwenzahn und Gänseblümchenblüte gewesen sei. Der Deckungsanteil der Kräuter in den genannten Bereichen in Haunstetten belaufe sich großzügig geschätzt auf 20 Prozent des Deckungsgrades, Blüten seien auf weniger als ein Prozent der Flächen zu finden. Eine spätere Mahd sei aus diesen Gründen nicht erforderlich. Umso wichtiger sei eine zielführende Entwicklung der Bestände durch die Schwächung der Obergräser durch frühzeitige Mahd, so das Grünamt. Bei den Naturschützern ruft die Aussage nur Kopfschütteln hervor.“
Nun bleibt zu hoffen, dass wir alsbald mit dem neuen Ordnungs- und Umweltreferenten der Stadt Augsburg ins Gespräch kommen und die Situation endlich wieder zum Guten wenden können! In Eberhard Pfeuffers Buchklassiker „Natur in Augsburg“ (Wißner-Verlag, Erstausgabe 2012) kann man nachlesen (S. 146): „Aus Einheitsrasen bunte Blumenwiesen zu gestalten, war eines der Pilotprojekte für eine neue Stadtökologie in den 1980er Jahren. Ausschlaggebend für diesen Schritt waren „die zunehmende Verarmung an Pflanzen und Tieren in der Stadt zusammen mit fortlaufend steigenden Pflegkosten für städtische Grünflächen“, eine Problemstellung die bis heute nichts an Aktualität verloren hat. Die damals entstandenen Wiesen sind eine Augenweide, ein Lebensraum für Pflanzen und Tiere und entlasten dabei ganz im Sinne der Planer nach wie vor den Stadthaushalt. – Und sie harren der Nachahmung!“
Bilder: Eine über Jahre durchgeführte Mahd unmittelbar vor oder während der ersten Blütezeit fördert die Vergrasung © Dr. Eberhard Pfeuffer