8.6.2026 (ca)
Anfang Mai gab es einen Führungswechsel im Zoo Augsburg. Die langjährige Zoodirektorin Dr. Barbara Jantschke verabschiedete sich in den Ruhestand, ihr Nachfolger ist nun Dr. Philipp Wagner. Im neuen Zoo-Newsletter stellt sich Philipp Wagner vor und legt dar, wie wichtig die Aufgabe des Zoos zum Natur- und Artenschutz ist:
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„Liebe Freundinnen und Freunde des Augsburger Zoos, nun ist es tatsächlich auch bei mir so weit, dies ist mein erster Newsletter in meiner neuen Rolle als Zoodirektor. Auch mir macht es eine große Freude Sie über die Ereignisse im Zoologischen Garten Augsburg zu informieren und ich hoffe, dass Sie den gleichen Spaß beim Lesen haben werden wie bei den Newslettern von meiner Vorgängerin Barbara Jantschke. Ich möchte mich kurz vorstellen. Mein Name ist Philipp Wagner, ich bin promovierter Zoologie, beschäftige mich wissenschaftlich in über 180 Publikationen mit der Artenvielfalt der Amphibien und Reptilien und wurde dazu am Zoologischen Forschungsmuseum A. Koenig in Bonn ausgebildet. Forschungsreisen und Lehraufträge führten mich nach Afrika, den Nahen Osten, Zentralasien, Afghanistan, Südostasien und die USA. Nach dieser Zeit bin ich in den Naturschutz gewechselt und war Geschäftsstellenleiter der Bezirksgeschäftsstelle Oberfranken des Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayreuth. Seit Mitte 2017 war ich dann als Kurator für Artenschutz und Forschung am Allwetterzoo in Münster und habe dort die Artenschutzprojekte des Zoos begleitet, Forschungsschwerpunkte aufgebaut und den ArtenschutzCampus entwickelt. Schwerpunkte waren das Angkor Centre for Conservation of Biodiversity in Kambodscha und das Internationale Zentrum für Schildkrötenschutz im Allwetterzoo. Beides Artenschutzzentren des Allwetterzoo mit einem Schwerpunkt auf den Schildkröten, eine der am stärksten vom anthropogenen Artensterben betroffenen Tiergruppen. Und dieses Thema ist es auch, dass mich seit vielen Jahren umtreibt: das anthropogene Artensterben. Als Mitglied diverser Spezialistengruppen der IUCN (International Union for Conservation of Nature), bin ich an der Erstellung der globalen Roten Listen beteiligt. Und diese Listen werden auf allen Ebenen immer länger und Arten durch Lebensraumverlust, Übernutzung, den illegalen Handel und durch invasive Arten immer stärker bedroht. Am stärksten betroffen sind die Arten der Süßgewässer, die Schildkröten, die Krokodile und die Amphibien. Und immer öfter empfehlen die Spezialisten der IUCN den Aufbau so genannter Reservepopulationen, um Arten zu schützen und zu unterstützen. Und das betrifft bedrohte aber auch global unbedrohte Arten. Ein schönes Beispiel ist der Gänsegeier. Durch sein riesiges Verbreitungsgebiet gilt er als nicht bedroht, war aber in Europa weitestgehend verschwunden. Heute gibt es, vor allem in Frankreich, wieder gute Populationen und erst kürzlich wurden wieder Gänsegeier in Deutschland gesichtet. Diese Entwicklung war nur möglich, weil es Reservepopulationen der Zoos gab, aus denen heraus Tiere ausgewildert werden konnten. Beim Feuersalamander passiert gerade das Gegenteil. Da wir noch nicht wissen, wie wir die Art, die durch die eingeschleppte Tierseuche Bsal bedroht ist, im Lebensraum schützen können, werden gerade Tiere der Natur entnommen und Reservepopulationen in Zoos aufgebaut. Ähnliche Probleme haben aber auch die Pustelschweine und der Evers Reisfisch in Asien oder die Spaltenschildkröte in Afrika. Man sieht: Artenschutz beginnt vor der eigenen Haustüre, aber er endet dort nicht. Daher können Zoos im Artenschutz eine entscheidende Rolle spielen, wenn sie sich dazu bekennen. Auch die IUCN sieht die Zoos als Teil des internationalen Artenschutzes und hat zudem den „One Plan Approach“ entwickelt, ein Konzept, dass bei der Erarbeitung von Artenschutzmaßnahmen die Reservepopulationen der Zoos mit einbezieht und man quasi an einem Strang zieht. Man sieht also: nicht nur wir Zoos sehen uns als Teil des Artenschutzes, sondern es wird auch verlangt, dass wir diese Rolle einnehmen. Der Augsburger Zoo ist seit vielen Jahren im Artenschutz aktiv. Auf diesem Fundament will ich in den nächsten Jahren aufbauen und die Rolle unseres Zoos stärken. Auch in der Zusammenarbeit mit lokalen Partnern, wie dem Landschaftspflegeverband und den Naturschutzverbänden, um Arten wie Kreuzotter, Grasfrosch, Wechselkröte, Alpen- und Feuersalamander, die Fledermäuse und Wiesenbrüter zu unterstützen. Und auch hier gilt unter anderem die Devise: „Keep the common species common“, also Arten schützen, bevor sie bedroht werden.“
Weitere Informationen zum Zoo Augsburg unter: https://www.zoo-augsburg.de/ und speziell https://www.zoo-augsburg.de/artenschutz/
Bild: Katja Mayer (km Sport-Agentur), Dr. Barbara Jantschke, Dr. Philipp Wagner (vlnr) beim Augsburger Zoolauf © Zoo Augsburg